Der game changer

Gold News vom 9. Oktober 2020

Marktgeschehen

Diese Nachricht ist zwar eher unter Wirtschaftsgesichtspunkten und weniger unter Finanzen einzuordnen, passt aber zu unserem heutigen Leitthema des game changers.

Laut einem Bericht von Telecoms.com unter dem Titel „Belgium says bye-bye Huawei, hello Nokia“ haben sich die beiden führenden Mobilfunknetzbetreiber in Belgien dafür entschieden, die chinesische Technologie von Huawei aus ihrem Netz wieder zu eliminieren. Und statt dessen das finnische Unternehmen Nokia für die Ausrüstung der Sendestationen zu beauftragen. Zuvor wurde der schwedische Konzern Ericsson mit dem Aufbau des 5G-Kernnetzes beauftragt.

Es funktioniert eben auch ohne Globalisierung. Das hatten die auf niedriges Kapital-Investment fokussierten europäischen Telecoms lange Zeit ignoriert. Und deshalb primär Huawei - mit Staatsgarantien der chinesischen Regierung ausgestattet - gewählt.

In Brüssel sitzen mit der EU-Kommission, dem EU-Parlament und dem NATO Hauptquartier viele für die geopolitischen Ambitionen der Kommunisten wichtige Organisationen, die jetzt zumindest durch Huawei-Technologie nicht mehr via Mobilfunk-Infrastruktur abgehört werden können.

Gold & Gesellschaft

Die Neue Züricher Zeitung [NZZ] traut sich zumindest noch, ein heikles Thema wie die Präsidentschaft von Donald Trump zu behandeln. Denn die westeuropäischen Medien sind voll von Feindschaft und Häme. Oder wie das der NZZ-Chefredakteur Eric Gujer formuliert: „Ist er ein autoritärer Dämon, ein Totengräber der Demokratie, oder ist er ein Grossmaul, das viel verspricht und nichts erreicht? Wie so oft liegt die Wahrheit vermutlich nicht in der Mitte, sondern ganz woanders. Man kann Trump verehren oder ihn hassen, aber er hat dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Viele Debatten verlaufen heute anders als vor vier Jahren. Er ist ein «game changer», der zeigt, was Disruption in der Politik bedeutet.

Schade, dass wir solche Debatten nicht auf einem vernünftigen Niveau führen können. Aber wie der seit Bewaffnung der Bundesrepublik herrschende Platzhirsch Heckler & Koch erst kürzlich bei der Vergabe eines Großauftrags an den Thüringer Waffenhersteller Haenel feststellen musste, hat da wohl ein solches disruptives Ereignis stattgefunden.

Baut Haenel jetzt nur die besseren oder billigeren Sturmgewehre? Sicherlich nicht. Und wenn, dann hätten das die diversen Berichterstatter von H+K im Verteidigungsministerium und im Beschaffungsamt Koblenz längst berichtet.

Der Vorgänger von Trump, Barack Obama, mag zwar ein Visionär gewesen sein. Aber er war gleichzeitig auch ein schnöder Technokrat, der sich weiterhin dem seit Jahrzehnten das Land beherrschenden Establishments bereitwillig unterordnete. Und – wie sagte bereits unserer verstorbener Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Trump traute sich, das seit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches als Partner des ideologisch siegreichen Westens hofierte China aggressiv anzugehen. Was er nach den vier Jahren erreicht hat, ist die Änderung des mindsets zu China in den USA und selbst teilweise in Europa: „Abkopplung von China ist so ein Begriff, der in Amerika kaum noch hinterfragt wird. Selbst in Europa mit seiner ganz anderen strategischen Ausgangslage findet er mehr und mehr Anhänger. Trump regiert mit Worten, weniger mit Taten, aber diese Worte entfalten Wirkung.

Es geht auch ohne Krieg. Von kritischen Situationen war seine Präsidentschaft sicherlich nicht arm: Der Syrien-Konflikt, die Großmachtansprüche von Erdogans Türkei, der Konflikt mit Nordkorea und das Atomabkommen mit dem Iran. Dafür mussten eine Reihe von Sicherheitsberater, Außenminister und Verteidigungsminister über die Klinge springen. Nur weil Trump einen offenen Konflikt gegen den Rat seiner ‚Experten‘ vermeiden wollte.

Konflikte lösen ohne einen Waffengang, bei dem zwar wegen hoch entwickelter Technologie weniger US-Soldaten ihr Leben hätten lassen müssen. Dafür aber umso mehr syrische, nordkoreanische und iranische Soldaten. Diese Abwägung des obersten Kommandeurs ist auch neu für die bisherige Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten.

Die NZZ schließt ihren Kommentar mit der folgenden Feststellung: „Auch wenn der sehr eigenartige Präsident Geschichte ist, wird in Amerika mehr von Trump bleiben, als viele Europäer wahrhaben wollen.“

Das ist eben typisch für einen game changer.

Letzte Ergänzung von 18:45 Uhr

Die ZEIT meldet gerade: "Verteidigungsministerium zieht Auftrag für Sturmgewehr (zurück)".

Marktdaten

  EUR/USD 09.10.20 Kurs / Delta in Prozent Vorwoche in Prozent
Gold 0,8459 1.920,60 USD 1.624,64 EUR      
  18,91 EUR 1,2% 2,18 EUR 0,1%
Silber 0,8459 24,86 USD 21,03 EUR    
  0,79 EUR 3,9% 0,72 EUR 3,4%
Au/Ag   77,26    
[ratio]   -2,1 -2,6% -2,6 -3,4%
Platin 0,8459 881,00 USD 745,24 EUR    
  18,15 EUR 2,5% -0,11 EUR 0,0%
Palladium 0,8459 2.360,00 USD 1.996,32 EUR    
  39,55 EUR 2,0% 109,08 EUR 5,8%
NIKKEI225   23.614,47    
  -28,46 -0,1% 587,78 2,5%
DAX30   13.037,77    
  -21,27 -0,2% 356,46 2,8%
S&P500 19:30 Uhr 3.473,78    
    35,97 1,0% 106,31 3,1%

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