Euro-Einführung – Der Weg ins Armenhaus Deutschland

Gold News vom 16. August 2019

Marktgeschehen

Die heutige Entwicklung auf den Edelmetall- und Finanzmärkten betrachten wir als technische Reaktion des Marktes auf die turbulente Entwicklung der letzten Tage. An unserer makroökonomischen Einschätzung der Lage der Weltwirtschaft im Allgemeinen und der EU bzw. Deutschland im Besonderen ändert das nichts. Die Daten des Tages finden Sie wie gewohnt mit der Zusammenfassung für diese Woche im Kapitel „Marktdaten“.

Vielleicht eröffnet sich damit noch einmal eine Gelegenheit, um sein Geld anlegen in Gold zu tun. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in 137 Tagen das Gold Tafelgeschäft nicht mehr als Kauf-Option zur Verfügung stehen wird.

Vor dem Hintergrund folgender Nachrichten sollte man sich als Investor sowieso überlegen, ob derzeit ein Investment in die deutsche Industrie überhaupt sinnvoll ist. So meldet der FOCUS in einer für ihn sonst untypischen Alarm-Stimmung: „Überblick von Bosch bis Leoni - Tausende Stellen gefährdet: Deutsche Autozulieferer in Mega-Krise – was sie jetzt planen“. Nicht nur die Autokonzerne selbst sind große und meist gut bezahlende Industrie-Unternehmen in Deutschland mit vielen zehntausenden Arbeitsplätzen – sondern insbesondere die Zulieferer. Und wenn es einer BOSCH oder einer LEONI schlecht geht, dann leidet insbesondere Deutschland. Denn drei der fünf größten weltweiten Zulieferer kommen aus Deutschland. Da ist es schon eine valide Entscheidung, wenn man sein Geld von diesen Industrien erst einmal abzieht und die Erlöse in Gold investieren tut. Das muss ja keine Entscheidung für die Ewigkeit sein. Aber in Deutschland sind derzeit einfach die Rahmenbedingungen für die Automobil-Industrie besonders düster. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass es im Rahmen der derzeitigen Klimadiskussion eher nur noch schlimmer als besser werden könnte.

Auch für den DAX – den deutschen Aktien-Leitindex – sieht es derzeit nicht besonders gut aus. Den Unternehmen brachen im zweiten Quartal die Gewinne um durchschnittlich 30 Prozent weg. Es ist also nicht nur die Autoindustrie, die unter der derzeitigen Wirtschaftslage leidet. Und die Gewinne für die Monate September, Oktober und November, wenn die Sommerpause wieder Pause macht, haben wir noch gar nicht gesehen.

Gold & Gesellschaft

Ich weiß gar nicht, ob ich über solche Artikel wie in der WELT – „LUKRATIVE PROMOTION - In diesen Berufen ist ein Doktortitel bis zu 40.000 Euro wert“ - lachen oder weinen soll. Jedenfalls ist es im höchstens Maße lächerlich, dass Menschen, die acht bis zehn Jahre ihrer Jugend dafür spendieren, um ihr Master-Studium am Ende mit einer Promotion abschließen zu können, bis einem Jahresgehalt von bis zu 40.000 Euro zu den Gutverdienern gehören sollen. Das habe ich schon im zweiten Jahr nach Abschluss meines 4-jährigen Informatik-Studiums erreichen können. Und da war ich erst 25 Jahre alt und die knapp 80.000 DM waren wohl auf dem heutigen Kaufkraft-Niveau eher 80.000 Euro wert als die 40.000 Euro, von denen der Bericht spricht.

Es ist das jahrzehntelange Abkochen des Frosches Deutschland, dass zu dieser Entwicklung geführt hat: Dass die Masse beim Lesen solcher Artikel denkt: „Man, in was für einem Land, wo man so gut verdient, darf ich leben“.

Dabei hat spätestens die Einführung des Euros Deutschland in ein Armenhaus verwandelt, dessen Auswirkungen wir in der kommenden Rezession zu spüren bekommen werden. Die Gründe dafür sind die folgenden:

Erstens: Die Souveränität der Deutschen Mark wirkte für die Deutschen inflationssenkend – sowohl bei dem Import von Waren wie z.B. Rohstoffen und bei Dienstleistungen. Letzteres stellte beim Urlaub in Italien, Spanien und Griechenland sicher, dass die Deutschen viel Urlaub für ihre Mark bekamen. Mit der Euro-Einführung haben wir die dortige Inflation jedoch importiert, die zunehmend unsere Urlaubskasse schmälert. Warum machen wir plötzlich Urlaub in der Türkei, in Ägypten und in den Balkanstaaten? – Weil die klassischen Urlaubsländer unbezahlbar werden. Und dabei reden wir noch nicht einmal von der Schweiz, die mit ihrem Franken genauso lebt, wie Deutschland damals mit ihrer Mark.

Zweitens: Die Realwerte der Deutschland AG, einem Geflecht aus deutschen Banken und deutschen Versicherungen, die Anteile an deutschen Industrieunternehmen hielten, wurden zu Spottpreisen insbesondere an angloamerikanische Firmen wie Blackrock oder die diversen Hedgefonds verramscht. Die Deutsche Bank nebst der Commerzbank sind heute praktisch mittellos, die deutsche Versicherungsbranche existiert entweder nicht mehr oder steht durch ihre Vermögensrenditen vor dem mittelfristigen Aus. Und der deutsche Kunde bekommt eben keine hohen Renditen mehr auf seine Bankguthaben und Versicherungsverträge.

Drittens: Die private Rentensäule wird zusätzlich dadurch geschmälert, dass das angesparte Geld mit den Jahren an Kaufkraft verliert. So wie 30 Jahre aus einem Jahreseinkommen von 80.000 DM eben eine reale Kaufkraft von 20.000 Euro [=40.000 DM] gemacht haben. Das entspricht einer jährlichen Teuerungsrate von lediglich 2,3 Prozent – befindet also im Rahmen der derzeitigen „Stabilitätspolitik“ der EZB. Natürlich gelten diese 2,3 Prozent nur bei einer Betrachtung eines von der Politik bestimmten Warenkorbs, welchen die Statistiker als Grundlage ihrer Berechnungen nehmen.

Würde man beispielsweise die Maß Bier auf dem Münchener Oktoberfest als Maßstab für die Inflationsberechnung nehmen, so betrüge die jährliche Inflationsrate durchschnittlich 4,6 Prozent über die letzten 46 Jahre. Das habe ich zweifelsfrei mit den historischen Daten, die vom Münchener Oktoberfest dokumentiert sind, nachweisen können. Interessanterweise beweist diese Zahlenreihe, dass Inflationsschutz mit Gold genau vor dieser Bierpreis-Teuerung hilft. Denn mit einer Unze Gold konnte man im Jahr 1972 in etwa 100 Maß Bier kaufen – und im Jahr 2018 ebenfalls 100 Maß Bier. Das war übrigens noch vor dem Goldpreisanstieg, der erst im Herbst 2018 nach Jahren der Konsolidierung auf niedrigem Niveau [2013-2018] erfolgte. Das ist auch der Grund, warum wir Gold als umfassende Maßnahme der Vermögenssicherung betrachten: Zum einen als Inflationsschutz vor der „langsamen Geldentwertung“, die die letzten Jahrzehnte stattfand. Und vor einer „schnellen Geldentwertung“ oder Hyper-Inflation, die sich mit der Politik der Notenbanken für die nächsten Jahre anzudeuten scheint. Man muss gar nicht zurück bis in die Weimarer Republik schauen, um solche Hyperinflationen zu erkennen. Man denke nur an den Verfall der Währungen in Simbabwe, in der Türkei, in Venezuela oder zuletzt in Argentinien: Als führender Industriestaat und Mitglied der G20-Gruppe kommen die Gefahren auch auf die G7-Staaten wie Deutschland zu. Bisher konnte Gold dieses Merkmal bei uns noch nicht ausspielen.

Aber 70 Jahre Stabilität sind keine Garantie für eine sorgenfreie zukünftige Entwicklung.

Marktdaten

EUR/USD 16.08.19 Kurs / Delta in Prozent Vorwoche in Prozent
Gold 0,901 1.513,10 USD 1.363,30 EUR      
  -5,21 EUR -0,4% 27,92 EUR 2,1%
Silber 0,901 17,11 USD 15,42 EUR    
  -0,07 EUR -0,5% 0,31 EUR 2,0%
Platin 0,901 846,00 USD 762,25 EUR    
  9,51 EUR 1,3% -3,18 EUR -0,4%
Palladium 0,901 1.432,00 USD 1.290,23 EUR    
  3,56 EUR 0,3% 39,51 EUR 3,2%
NIKKEI225   20.433,33    
  62,45 0,3% -243,59 -1,2%
DAX30   11.560,21    
  153,40 1,3% -136,54 -1,2%
S&P500   2.890,92    
    45,59 1,6% -36,55 -1,3%

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