Never Mess with the Bond Vigilantes
14.03.2025 19:15
Gold News vom 14. März 2025
Gold & Gesellschaft
‚Never mess with Texas‘ – leg dich nicht mit uns an. Eine andere Form von Stolz auf ihre Macht nehmen die Bond Vigilantes – die Wächter über den Bond/Schulden-Markt - für sich in Anspruch. Sie sind die moderne Form des Teufels, der zwar mit seinen Schulden-Freikugeln – wie in der Oper ‚Der Freischütz‘ – den Politikern ihre den Wählern versprochenen Ziele ermöglicht.
Aber ab und zu holt er sich mit der ‚Teufelskugel‘ auch mal einen von ihnen zu sich.
Beispiel gefällig? Als Liz Truzz im Oktober 2022 das Amt des UK-Premierministers als Nachfolge von Boris Johnson angetreten hatte, sprachen politische Beobachter von einer 100-Tage-Challange. Das heiß es wurden Wetten darauf abgeschlossen, dass Liz Truzz die ersten 100 Tage ihrer Zeit als Premierminister nicht überleben würde.
Sie hatte sich mit massiven Schulden eingedeckt, um ihre Versprechen einlösen zu können. Aber die Bond Vigilantes haben sich nach 45 Tagen entschieden, der Frau vorzeitig den Stecker zu ziehen. In einer dramatischen Rettungsaktion musste die Bank-of-England eingreifen, damit die UK-Schuldenbonds [‚Gilt‘] mit ihren massiven Preisabschlägen nicht die Rentenvermögen vieler Pensionäre gefährdeten.
Mit den Pensionären hat man in Griechenland auch die kommunistische Regierung gebrochen.
Wird Friedrich Merz das nächste Opfer der Bond Vigilantes? Genug Freischüsse zwecks Erfüllung der vielen Erwartungen an ihn und seine Politik hat er ja schon abgegeben. Und bestimmte Märkte wie der DAX, der Euro, die Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und Infrastruktur-Unternehmen wie Strabag haben bereits in Jubelstimmung reagiert.
Unfähig der US-Form des Verhandelns hat er sich von der SPD und jetzt den Grünen in eine Position gebracht, wo er zwei seiner Freikugeln abgeben musste: Vier plus Zwei macht Sechs. In der Oper wäre die Siebente dann die ‚Teufelskugel‘.
Wird diese sein Versuch sein, zum Kanzler gewählt zu werden?
Beispiel europäischer vs. US-Verhandlungsstil: Die griechische Schuldenkrise von 2015
Frühe Phase (Februar–Mai 2015):
Nach Syriza’s Wahlsieg begann ein Tauziehen. Die griechische Regierung unter Tsipras und Varoufakis forderte Schuldenerleichterungen und ein Ende der harten Sparmaßnahmen. Schäuble, als Vertreter Deutschlands, hielt an einer strikten Linie fest: Reformen und Sparen als Bedingung für weitere Hilfe. Draghi, als EZB-Chef, spielte eine doppelte Rolle – er hielt die griechischen Banken via Notkredite (ELA) am Leben, signalisierte aber auch, dass die EZB nicht endlos Geld pumpen würde, wenn keine politische Lösung gefunden wird. Die Gespräche waren zäh, oft öffentlich ausgetragen und von Misstrauen geprägt. Varoufakis’ unkonventioneller Stil verschärfte die Spannungen mit Schäuble.
Eskalation (Juni 2015):
Im Juni brach die griechische Regierung die Verhandlungen mit der Troika ab und rief ein Referendum aus, um die Gläubigerbedingungen abzulehnen („Oxi“-Abstimmung). Schäuble sah dies als Vertragsbruch und drängte offen auf einen „Grexit“ (Austritt Griechenlands aus der Eurozone). Draghi hingegen warnte vor den systemischen Risiken eines Grexit und erhöhte die Notkredite für griechische Banken leicht (auf ca. 89 Milliarden Euro), um einen sofortigen Kollaps zu verhindern. Die Spannung zwischen Schäuble und Draghi wurde deutlich: Schäuble argumentierte juristisch und fiskalisch, Draghi ökonomisch und systemisch. Ein berüchtigter Moment war Schäubles gereizte Reaktion auf Draghi („Ich bin doch nicht blöd“) während eines Eurogruppen-Treffens am 11. Juli 2015, als Draghi versuchte, die Dringlichkeit der Bankenrettung zu erklären.
Höhepunkt und Einigung (Juli 2015):
Nach dem Referendum (61 % stimmten „Nein“) stand Griechenland vor dem Abgrund: Banken geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Tsipras lenkte überraschend ein und akzeptierte ein noch härteres Reformpaket, um neue Hilfen zu sichern. Am 13. Juli 2015 einigten sich die Euro-Staaten auf ein drittes Hilfspaket (bis zu 86 Milliarden Euro). Schäuble blieb skeptisch und favorisierte weiterhin einen temporären Grexit, beugte sich aber dem Druck von Merkel und anderen. Draghi unterstützte die Einigung, da sie die Eurozone stabilisierte, und lockerte die EZB-Politik leicht, um den Übergang zu ermöglichen. Varoufakis trat zurück, Tsakalotos übernahm und setzte die Verhandlungen pragmatischer fort.
Draghi als ehemaliger Goldman Sachs Banker mit der US-Verhandlungsstrategie des ‚Shock-and-Awe‘ vertraut, hat aus der anfänglich schwächeren Position der EU/EZB gegen die griechische Regierung nebst Volk ein Ergebnis erzwungen. In dem er durch Bankenschließungen und sehr strikte Abhebelimits an den Geld-Automaten diejenigen 'ausgetrocknet' hat, sich sich selbst nicht mehr wehren können und als Hauptwähler der kommunistischen Regierung galten: Die grichischen Rentner. Deshalb hat Tsipras 'überraschend' nachgegeben und musste in der Folge allen Direktiven aus Frankfurt (EZB), Berlin (EU Rat) und Brüssel (EU Kommission) folgen.
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